Lernen Sie, wie Sie im Notfall bei Vergiftungen und Gefahrengut richtig handeln und Leben retten können.
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Vergiftungen & Gefahrengut

Lernen Sie, wie Sie im Notfall bei Vergiftungen und Gefahrengut richtig handeln und Leben retten können.

Verstehen, reagieren, schützen

Vergiftungen und der Umgang mit Gefahrengut stellen in vielen Lebensbereichen und insbesondere am Arbeitsplatz eine erhebliche Gefahr dar. Toxische Substanzen können auf unterschiedlichste Weise in den Körper gelangen – sei es durch Hautkontakt, Einatmen von schädlichen Dämpfen oder den versehentlichen Verzehr von giftigen Stoffen. In vielen Fällen sind diese Gefahren nicht sofort sichtbar, was die Reaktion im Notfall erschwert. Besonders in Umfeldern wie Chemielagern, Laboren, Industriebetrieben oder auch im Haushalt, wo mit scharfen Reinigungsmitteln oder anderen gefährlichen Substanzen gearbeitet wird, ist es von entscheidender Bedeutung, sich der potenziellen Risiken bewusst zu sein und geeignete Schutzmassnahmen zu treffen.

Ein schneller, richtiger Umgang mit Vergiftungen und Gefahrengut kann lebensrettend sein. Es ist wichtig, im Falle einer Vergiftung oder einer Gefahrensituation sofort die richtigen Massnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen zu minimieren. Hierzu gehören das Erkennen der Symptome einer Vergiftung, das Entfernen der betroffenen Person aus der Gefahrenquelle und die schnelle Alarmierung des Notdienstes. Erste-Hilfe-Massnahmen wie das richtige Lüften, die Anwendung von speziellen Gegengiften oder das Einleiten von Massnahmen zur Stabilisierung der betroffenen Person können entscheidend für den Ausgang der Situation sein.

Gefahrengut

Gefahrengut umfasst eine Vielzahl von Substanzen und Materialien, die aufgrund ihrer chemischen, physikalischen oder biologischen Eigenschaften eine Gefahr für Menschen, Tiere, Umwelt oder Sachwerte darstellen können. Hier sind einige Beispiele für Gefahrengut:

  • Brennbare Flüssigkeiten: Benzin, Alkohol, Aceton, Lacke und Farben
  • Gase: Sauerstoff (unter hohem Druck), Propan, Butan, Ammoniak, Kohlendioxid (in grossen Mengen)
  • Ätzende Stoffe: Schwefelsäure, Natronlauge, Salzsäure, Bleichmittel
  • Giftige Substanzen: Cyanide, Pestizide, Blei- oder Quecksilberverbindungen, Kohlenmonoxid
  • Explosive Stoffe: Dynamit, Feuerwerkskörper, Sprengstoffe
  • Radioaktive Materialien: Uran, Plutonium, Cäsium, Radon
  • Fäkalien und Abfälle: Medizinische Abfälle (z. B. Spritzen oder verbrauchtes Verbandmaterial), Abwasser mit gefährlichen Inhaltsstoffen
  • Corrosive Stoffe: Rostschutzmittel, Reinigungsmittel mit starken ätzenden Eigenschaften
  • Umweltgefährdende Stoffe: Öl, Schwermetalle, Abfälle aus der chemischen Industrie
  • Gefährliche Feststoffe: Asbest, Glasfaserprodukte, brennende Kohlenhydrate (z. B. in bestimmten Kunststoffen)

Gefahrengut erfordert spezielle Handhabung, Kennzeichnung und Lagerung, um Risiken zu minimieren. Bei der Beförderung, dem Transport oder der Entsorgung von Gefahrengut müssen strenge Sicherheitsvorkehrungen und gesetzliche Vorschriften beachtet werden.

Vergiftungen

Es gibt verschiedene Arten von Vergiftungen, die je nach Art des Giftes und dem Weg, auf dem es in den Körper gelangt, unterschieden werden. Diese unterschiedlichen Arten von Vergiftungen erfordern jeweils spezifische Erste-Hilfe-Massnahmen und eine schnelle medizinische Versorgung. Hier sind die häufigsten Arten:

Chemische Vergiftungen

  • Inhalation: Vergiftungen durch das Einatmen von schädlichen Dämpfen, Gasen oder Aerosolen. Beispiele: Kohlenmonoxid, Ammoniak, Reinigungsmittel-Dämpfe, Rauchvergiftungen.
  • Orale Vergiftung: Vergiftungen durch das Verschlucken von giftigen Substanzen. Beispiele: Medikamente (Überdosierung), Alkohol, Pestizide, Reinigungsmittel, Schimmelpilzsporen.
  • Dermale Vergiftung: Vergiftungen durch den Hautkontakt mit schädlichen Substanzen. Beispiele: Säuren, Laugen, Lösungsmittel, Pestizide.


Medikamentenvergiftungen

  • Überdosierung: Einnahme einer zu hohen Dosis eines Medikaments, entweder absichtlich oder versehentlich. Beispiele: Schmerzmittel (z.B. Paracetamol), Beruhigungsmittel, Antidepressiva.
  • Wechselwirkungen: Vergiftungen, die durch die Wechselwirkung mehrerer Medikamente entstehen. Beispiele: Wechselwirkungen zwischen verschreibungspflichtigen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln.


Lebensmittelvergiftungen

  • Bakterielle Vergiftungen: Durch den Verzehr von Lebensmitteln, die mit Bakterien oder deren Giften kontaminiert sind. Beispiele: Salmonellen, E. coli, Listerien, Botulismus.
  • Viren: Infektionen durch Viren, die zu einer Vergiftung führen können. Beispiele: Noroviren, Hepatitis.
  • Chemische Kontamination: Lebensmittel, die durch chemische Substanzen wie Pestizide oder Schwermetalle kontaminiert sind.
  • Pilzvergiftungen: Durch das Verzehren von giftigen Pilzen. Beispiele: Fliegenpilz (Amanita muscaria), Knollenblätterpilz (Amanita phalloides).


Alkohol- und Drogenvergiftungen

  • Alkoholvergiftung: Durch den Konsum von grossen Mengen Alkohol, was zu einer Beeinträchtigung der Atmung und des Kreislaufs führen kann.
  • Drogenvergiftungen: Vergiftungen durch illegale Drogen oder missbräuchliche Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Beispiele: Heroin, Kokain, Methamphetamin, LSD.


Pflanzengiftvergiftungen

  • Vergiftung durch Pflanzen: Der Kontakt oder Verzehr von giftigen Pflanzen kann zu Vergiftungen führen. Beispiele: Oleander, Rizinus, Eibe, Herbstzeitlose.


Schwermetallvergiftungen

  • Blei: Bleivergiftung durch das Einatmen von Bleistaub oder das Verschlucken von bleihaltigen Materialien.
  • Quecksilber: Vergiftungen durch den Kontakt mit oder das Einatmen von Quecksilberdämpfen.
  • Arsen: Vergiftungen durch das Verschlucken von arsenhaltigen Substanzen oder über die Haut.


Bienen- und Wespenstiche

  • Anaphylaktischer Schock: Eine allergische Reaktion auf das Gift eines Insektenstiches, die zu einer schweren Vergiftung führen kann.


Gasvergiftungen

  • Kohlenmonoxidvergiftung: Durch das Einatmen von Kohlenmonoxid, das in schlecht belüfteten Bereichen entstehen kann.
  • Schwefelwasserstoffvergiftung: Vergiftung durch den Kontakt mit Gasen aus faulendem organischem Material.

Massnahmen bei Vergiftungen und Kontakt mit Gefahrengut

Schnelles und gezieltes Handeln ist unerlässlich, um schwere gesundheitliche Schäden zu verhindern. Die spezifischen Massnahmen hängen vom Gift oder Gefahrengut sowie der Art des Kontakts ab. Hier sind die wichtigsten Schritte:

Notruf absetzen (112):

  • Wählen Sie sofort die Notrufnummer und informieren Sie die Rettungskräfte über die Art der Vergiftung, den Kontakt mit Gefahrengut und den Zustand der betroffenen Person.
  • Geben Sie möglichst viele Details an: Art des Giftes, Menge, Zeitpunkt der Aufnahme und die Symptome der betroffenen Person.

    Ruhe bewahren und Sicherheitsvorkehrungen treffen:
  • Vermeiden Sie, sich selbst in Gefahr zu bringen. Achten Sie darauf, dass Sie die betroffene Person in eine sichere Umgebung bringen (frische Luft, gut belüfteter Raum).
  • Wenn der Kontakt mit Gefahrengut oder giftigen Dämpfen in einem engen Raum erfolgte, sorgen Sie dafür, dass der Bereich gut belüftet ist.

    Schutzausrüstung verwenden:
  • Tragen Sie, wenn möglich, Schutzhandschuhe, Schutzbrillen und eine Atemschutzmaske, um sich vor direktem Kontakt mit Giftstoffen oder gefährlichen Dämpfen zu schützen.

Massnahmen bei Vergiftungen durch Inhalation

  • Frischluftzufuhr: Bringen Sie die betroffene Person sofort an die frische Luft, um den Kontakt mit schädlichen Dämpfen oder Gasen zu beenden.
  • Atemwege freimachen: Überprüfen Sie, ob die betroffene Person atmet. Falls nicht, beginnen Sie mit der Mund-zu-Mund-Beatmung oder Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW).
  • Ruhe bewahren: Beruhigen Sie die betroffene Person und lassen Sie sie in Ruhe atmen, um eine Verschlechterung der Symptome zu verhindern.

Massnahmen bei Vergiftungen durch Verschlucken

  • Nicht zum Erbrechen anregen, es sei denn, es wird ausdrücklich empfohlen: Einige Gifte können durch Erbrechen weiter in den Körper aufgenommen werden. Erbrechen darf nur auf Anweisung eines Arztes oder Giftinformationszentrums herbeigeführt werden.
  • Wasser oder Milch (bei ungiftigen Substanzen): Bei bestimmten Giften kann es hilfreich sein, der betroffenen Person Wasser oder Milch zu trinken zu geben, um das Gift zu verdünnen (aber nicht bei ätzenden Stoffen oder Säuren!).
  • Identifikation des Giftes: Versuchen Sie, das Gift zu identifizieren (z.B. durch die Verpackung oder das Etikett) und diese Information an den Notdienst weiterzugeben.

Massnahmen bei Hautkontakt mit Gefahrengut oder giftigen Substanzen

  • Sofortiges Abspülen mit Wasser: Spülen Sie die betroffene Stelle sofort gründlich mit viel Wasser (mindestens 15 Minuten), um das Gift von der Haut zu entfernen.
  • Kontaminierte Kleidung entfernen: Entfernen Sie schnell alle kontaminierten Kleidungsstücke und achten Sie darauf, dass die betroffene Person nicht erneut mit dem Gefahrengut in Kontakt kommt.
  • Verband anlegen: Decken Sie die betroffene Hautstelle mit einem sauberen, trockenen Tuch ab, um eine zusätzliche Kontamination zu vermeiden.

Massnahmen bei Kontakt mit Augen

  • Augen sofort mit Wasser ausspülen: Spülen Sie die Augen gründlich mit klarem Wasser, am besten unter fliessendem Wasser oder mit einer Augenbrause, für mindestens 15 Minuten.
  • Keine Reibung: Vermeiden Sie, das Auge zu reiben, um Verletzungen zu vermeiden.

Massnahmen bei Kontakt mit Gefahrengut

  • Sicherheit zuerst – Schutzmassnahmen: Tragen Sie bei der Handhabung von Gefahrengut immer die richtige Schutzausrüstung, einschliesslich Handschuhe, Schutzbrillen, Atemschutzmasken und, wenn nötig, Schutzanzüge. Stellen Sie sicher, dass der Arbeitsplatz richtig belüftet ist und dass Gefahrstoffe gemäss den Sicherheitsvorschriften gelagert werden.
  • Vermeidung von weiteren Kontaminationen: Wenn das Gefahrengut verschüttet wurde, sorgen Sie für eine sichere Eindämmung und Entfernung des Stoffes. Verwenden Sie geeignete Auffangbehälter oder Materialien, um die Ausbreitung zu verhindern.
  • Umgang mit verschütteten Gefahrstoffen: Verwenden Sie für die Beseitigung verschütteter Gefahrstoffe geeignete Schutzvorkehrungen. Nutzen Sie spezielle Chemikalienbindemittel oder Notfallkits, die für den jeweiligen Gefahrstoff geeignet sind.
  • Dokumentation und Meldung: Melden Sie den Vorfall an die zuständigen Stellen (z.B. Sicherheitsbeauftragter, Feuerwehr) und dokumentieren Sie alle relevanten Informationen.

Besondere Hinweise

  • Notrufnummer für Vergiftungen: Die Notfallnummer 145 für Vergiftungen in der Schweiz (Toxcenter) ist rund um die Uhr erreichbar und bietet professionelle Beratung bei Vergiftungen, egal ob durch Medikamente, Chemikalien, Pflanzen oder Gifte aus anderen Quellen. Wenn Sie eine Vergiftung vermuten, ist es wichtig, sofort Kontakt aufzunehmen und die Situation genau zu beschreiben, um die passende Behandlung zu erhalten.
  • Erste-Hilfe-Kurse: Eine regelmässige Teilnahme an Erste-Hilfe-Kursen hilft, das Wissen über die richtige Handhabung von Vergiftungen und Gefahrengut zu erweitern und die Fähigkeit zu stärken, im Notfall schnell und effizient zu handeln.

Schützen Sie sich und andere – Melden Sie sich noch heute für unseren Erste-Hilfe-Kurs an und lernen Sie, wie Sie im Fall von Vergiftungen und Gefahrengutunfällen schnell und richtig handeln können.